„BESTFORM kann ein Katapult sein“

Mit Schallplatten aus Biokunststoff war der gebürtige Cottbuser und ausgebildete Orgelbauer Alex Rex 2017 für den kreativen Landeswettbewerb Sachsen-Anhalts, den BESTFORM-AWARD, nominiert. Ein Gespräch über die Tücken der Selbstständigkeit, die Bedeutung von BESTFORM und anderen Wettbewerben für junge Kreativschaffende – und ein Holzfahrrad, das auf dem Weg ist, das Monopol des Spielzeugautos im Kinderzimmer aufzubrechen.

Du hast dich damals mit Vinyl 2.0 bei BESTFORM beworben und einiges Interesse damit ausgelöst. Erkläre das Projekt bitte kurz!

Die Idee zu den Schallplatten stammt noch aus meinem Bachelorstudium. Ich habe in Halle (Saale) an der Burg Giebichenstein Spiel- und Lerndesign und im Master dann Industriedesign studiert. 2015 fing ich an, mich mit der nachhaltigen Herstellung von Schallplatten zu beschäftigen. Ich hatte Kontakt zu verschiedenen Herstellern, habe Prototypen aus biobasierten Kunststoffen hergestellt – alles neben dem Studium.

Und wie kamst du darauf, dich bei BESTFORM zu bewerben?

Ich habe 2017 schon als Freelancer gearbeitet und hatte dadurch Kontakte zu anderen selbstständigen Kreativen. Dieses Umfeld hat mich auf BESTFORM aufmerksam gemacht. Und allein durch die Nominierung gab es dann plötzlich viel Aufmerksamkeit für meine Arbeit. Die Leute sind an mich herangetreten, auch Menschen, die Schallplatten produzieren und ernsthaftes Interesse an meinem Produkt hatten. Die musste ich meistens leider vertrösten, das Projekt befand sich ja noch in einem sehr frühen Stadium. Aber es war schön, ins Gespräch zu kommen.

Wie hast du deine Idee weiterverfolgt?

Dadurch, dass das alles neben dem Studium lief, hatte ich erstmal mit anderen Themen und Projekten zu tun. Trotzdem wollte ich das Thema Tonträger im Frühjahr 2020 weiter vorantreiben: Gelder akquirieren, Musikproduktions- und Schallplattenfirmen ansprechen. Dazu zählte auch, ein Team zusammenstellen, denn ich bin schließlich kein Chemiker oder Verfahrenstechniker. Dafür wollte ich Leute ins Boot holen und das ganze Projekt als Kollektiv aufziehen. Dann kam jedoch die Coronakrise, die es viel schwieriger gemacht hat, diese Art von Selbstständigkeit auf die Beine zu stellen. Bei der Herstellung von Schallplatten gibt es hohe Materialkosten, außerdem muss man natürlich die Mitarbeitenden ordentlich bezahlen. Das hat das Projekt ausgebremst. Deshalb habe ich eine andere Idee aus der Schublade geholt, bei der diese Schwelle viel niedriger ist: das Spielzeugfahrrad RASANT.

Warum ein Spielzeugfahrrad?

Das Spielzeugauto hat eine wahnsinnige Dominanz in den Kinderzimmern. Mein Spielzeugfahrrad ist ein Versuch, das zu hinterfragen – mit dem Ziel, nicht nur Autos, sondern auch Fahrräder zu Spielzeug zu machen. Die Idee hatte ich 2014 und bin fünf Jahre lang damit auf Design- und Spielzeugmessen unterwegs gewesen. Die Resonanz war wahnsinnig positiv. Der Beginn der Corona-Pandemie war für mich dann die Gelegenheit zu sagen: Ich bin Freelancer, ich habe die Zeit, also wage ich es jetzt einfach und suche jemanden, der dieses Spielzeug produzieren kann. Eine Drechslerei im Erzgebirge hat schließlich zugesagt, und jetzt bin ich seit etwa einem Jahr dabei, das Produkt aufzubauen und auf den Markt zu bringen.

Womit beschäftigst du dich ansonsten?

Die meiste Zeit verbringe ich aktuell mit Auftragsarbeiten, ich nenne es mal „gestalterische Dienstleistungen“, vor allem Ausstellungsgestaltung für Museen oder Künstler. In letzter Zeit habe ich zum Beispiel Exponate für das Fraunhofer-Institut in Dresden gebaut, im vergangenen Jahr eins für eine Berliner Künstlerin, das befindet sich inzwischen in Kroatien. In Zukunft möchte ich allerdings gerne meine eigenen Projekte, auch die nachhaltigen Schallplatten, weiterentwickeln.

Die Nominierung bei BESTFORM steht bei dir in einer Reihe mit zahlreichen weiteren Kreativpreisen. Wie schätzt du die Bedeutung dieser Preise ein, gerade auch für junge Kreativschaffende?

Ich finde solche Preise wahnsinnig wichtig. Der erste Punkt ist die Bewerbung: Wie formuliere ich meine Idee so, dass jemand anderes sie versteht? Da muss man sein eigenes Tun sortieren. Zweitens: die Anerkennung. Durch eine Nominierung oder eine Auszeichnung bekommt man die Bestätigung, dass das, was man macht, relevant ist. Drittens ist es schön zu sehen, wofür andere nominiert werden, miteinander zu reden und sich auszutauschen. Und so ein Preis hat natürlich auch eine Außenwirkung: Man bekommt Aufmerksamkeit für sein Projekt.

Was würdest du anderen Leuten raten, die darüber nachdenken, sich bei BESTFORM zu bewerben?

Man sollte sich zwei Fragen stellen: Ist meine Idee aktuell und relevant? Und bin ich mit ganzem Herzen dabei? Nur dann kann man die Energie aufbringen, die Idee auch weiterzuverfolgen. BESTFORM kann schließlich auch ein Katapult für die weitere Karriere sein. 

 

Foto: Helge Eisenberg