Digitale Agenda und Kulturwirtschaft

Herausforderungen für Kunst, Literatur und Musik im digitalen Zeitalter

<time datetime="2015-06-01"> Juni 1, 2015 </time>

Dienstag, 2. Juni 2015 by KWST

Im Rahmen der Tagung "Kunst und Kommerz – Kultur- und Kreativwirtschaft in der Diskussion" wurde in der Berliner Bertelsmann Repräsentanz am 23. April 2015 über die Bedeutung des digitalen Zeitalters für die Kultur- und Kreativwirtschaft gesprochen. Nina George, Jens-Uwe Bornemann, Prof. Dr. Marian Dörk und Prof. Dieter Gorny setzten sich mit dem Thema "Digitale Agenda und Kulturwirtschaft: Was bedeutet dies für die Wertschöpfungskette?" auseinander. Das Gespräch wurde von Jürgen König moderiert und von Deutschlandradio Kultur aufgezeichnet.

Vom Kulturgut zum Content

Die vielseitig wie auch pseudonym tätige Schriftstellerin Nina George unterstreicht ihre Auffassung vom Wertverlust sowohl der hohen als auch der Unterhaltungsliteratur im Internet. Andererseits stelle es eine Errungenschaft für die Möglichkeiten der Verbreitung dar. Die besondere Qualität der Schriftstellerei würde im Zuge der Digitalisierung jedoch auf den “Content” beschränkt, mit dem “die ganzen Glasfasern gefüllt” werden.

Neben traditionellen Verlagen, die an der “Veredelung” des Buches teilhätten, treten mit Distributoren wie Amazon “neue Player” auf den Markt, welche die jeweiligen Anteile der Print- und digitalen Verbreitung vorgeben. So spricht sie von einer Künstlerpersönlichkeit, zu der vor allem Risikobereitschaft und Mut gehörten. Denn es sei heutzutage nahezu “Wahnsinn, eine freie Künstlerschaft auszuüben”.

Digitale Hürden für die Kreativwirtschaft

Prof. Dieter Gorny hat neben der Präsidentschaft des Bundesverbands der Musikindustrie, auch die Position des Geschäftstführenden Direktors des Europäischen Zentrums für Kreativwirtschaft inne. Erst im März wurde er von Sigmar Gabriel zum Beauftragten für kreative und digitale Ökonomie berufen.

Gorny trennt zunächst digitale Agenda und Digitalisierung. Diese stelle die Gesellschaft vor große kulturelle Herausforderungen, z.B. hinsichtlich des Umgangs mit Daten. Aber auch für die Kultur selbst ergäben sich neue Problemhorizonte. Er zieht das Beispiel der Mehrwertsteuer und Buchpreisbindung im Bereich der Literatur heran, die auch für e-Books gelten müsste. “Denn es geht ja um Literatur und nicht eine Lobby-Veranstaltung für die Papierindustrie und das Gedruckte”, so Gorny weiter.

Seiner Meinung nach sollten Kulturgüter plattformunabhängig in ihrer Wertstellung geachtet werden. Andernfalls würde die Digitalisierung den Kreativschaffende eine entsprechende Wertschöpfung ihrer Tätigkeit erschweren. Gorny unterstreicht die Konsequenzen, die diese Entwicklung für die kulturelle Vielfalt hätte.

Das digitale Zeitalter als Herausforderung und Chance

Der als Netzwerker und Trend-Scout vorgestellte Jens-Uwe Bornemann beschäftigt sich seit 15 Jahren mit der Transformation von Medienmärkten, vor allem in der Film- und TV-Branche. Er sieht in der Digitalisierung weniger die Gefahren als Herausforderungen und Chancen. Dennoch sei die Wertschöpfungskette mit der Digitalisierung auf den Kopf gestellt worden. Es gebe zwar auch im digitalen Fernsehangebot Programmdirektoren aber keine entsprechenden Programmbudgets. So sei es notwendig, sich mit den neuen Playern und Verbreitungskanälen wie sozialen Netzwerken auseinander zu setzen und sich zu ihnen zu positionieren.

Er hebt die Bedeutung des Technologieverständisses für die Bereitstellung von Inhalten durch ein bestimmtes Medium hervor. Mit den UFA Labs setzen Bornemann und andere daher auf inderdisziplinäre Arbeitsgruppen. Diese entwickeln beispielsweise transmediale oder crossmediale Inhalte, die zunächst im Netz verbreitet und später auf anderen Plattformen weitergeführt werden.

Andererseits muss mit Betreten des digitalen Raums auch mit einer nahezu erdrückend großen Konkurrenz umgegangen werden. Es sei sicher zu stellen, dass die je eigenen Inhalte im Netz überhaupt gefunden werden. Dieser Aspekt betrifft auch das Fachgebiet von Prof. Dr. Marian Dörk. Die Informationsvisualisierung versucht, gleichermaßen interdisziplinär ansetzend, komplexe Datenbestände und Informationssammlungen sowohl interaktiv als auch grafisch zugänglich zu machen.

Der digitale Raum dürfe, so Dörk, nicht nur als Verbreitungskanal erachtet werden, sondern sei als kultureller Raum ebenso auszugestalten. Seines Erachtens werden die digitalen Medien der Signifikanz der Kulturgüter bisher noch nicht gerecht und kämen eher als “kalte Technologien” daher. Das von ihm mitbegründete Urban Complexity Lab sucht darüber hinaus Wege zu einem mündigen Umgang mit den Errungenschaften der Digitalisierung.

 

Im Gespräch waren die Schriftstellerin Nina George; Jens-Uwe Bornemann, Vice President Digital Ventures & Innovation UFA GmbH; Prof. Dr. Marian Dörk von der FH Potsdam sowie dem Urban Complexity Lab und Prof. Dieter Gorny, u.a. Präsident des Bundesverbands der Musikindustrie und Geschäftstführender Direktor des Europäischen Zentrums für Kreativwirtschaft. Es moderierte Jürgen König. Der komplette Mitschnitt des Gesprächs von Deutschlandradio Kultur kann hier abgerufen und heruntergeladen werden.

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