Alles im Fluss – Design im Einsatz für klares Wasser

Interview mit dem Magdeburger Industrie-Designer Martin Deutscher, Gewinner des diesjährigen Landeswettbewerbs BESTFORM

Der Schönebecker Industrie-Designer Martin Deutscher und das Magdeburger Unternehmen „Inflotec“ haben im Juni 2017 für ihren „Waver“ den ersten Preis beim Landeswettbewerb BESTFORM erhalten. Die innovative Aufbereitungsanlage für Trinkwasser in Form eines Wasserrades kommt ohne fossile Energieträger aus, vermeidet Kohlenstoffdioxid-Emissionen und direkte Eingriffe in die Natur. Ohne Unterbrechung kann die Anlage Trinkwasser für bis zu 2.000 Menschen liefern und ist durch ihren einfachen Aufbau schnell einsatzfähig, was vor allem im Katastrophenfall entscheidend wäre. Wie ging es für den Kreativen weiter und wie lebt es sich als Designer in Sachsen-Anhalt? Wir fragten den Preisträger.

Wie ist es seit Juni 2017 mit Ihrem Projekt weiter gegangen?

Martin Deutscher: Die Resonanz auf den ersten Platz im Landeswettbewerb BESTFORM war überwältigend. Nicht nur von Verwandten und Freunden kamen zahlreiche Glückwünsche, es meldeten sich jetzt auch potentielle Partner für eine weitere Zusammenarbeit. Dadurch können wir unsere derzeitigen Wissenslücken, die natürlich überall in der frühen Phase einer Produktentwicklung entstehen, bestmöglich mit Know-How der ,neuen Bekannten‘ schließen. Parallel zum Wettbewerb wurde auch ein deutlich kleinerer Prototyp zur Feldbewässerung nach Kenia geliefert und in Betrieb genommen. Hier haben wir auch schon erste Verbesserungsvorschläge, die wir natürlich bei der großen Aufbereitungsanlage gleich einfließen lassen können.

Welche Vorteile ergeben sich dadurch, dass Sie Ihr Unternehmen in unserer Region ansiedeln?

Neben persönlichen Interessen stehen die zahlreichen Fördermöglichkeiten des Landes im Vordergrund. Außerdem ist die mitteldeutsche Lage günstig für das Erreichen von Auftraggebern in ganz Deutschland. Die Ansiedelung in Sachsen-Anhalt hat auch den Vorteil, dass der Designer aufgrund geringerer Lebenshaltungskosten seine Dienstleistungen an potentielle Auftraggeber günstiger anbieten kann.

Wie schätzen Sie den Stellenwert der Designwirtschaft in Sachsen-Anhalt ein?

Verglichen mit Ländern wie Bayern oder Baden-Württemberg, die natürlich wirtschaftlich stärker aufgestellt sind, gibt es leider noch etwas Nachholbedarf. Aber wir sind auf einem guten Weg. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Ausbildung von Designern/-innen an Sachsen-Anhalts Hochschulen beispielsweise in Süddeutschland sehr geschätzt wird. Nun gilt es, dass die heimische Wirtschaft und Politik noch mehr Anreize schafft, damit das selbst ausgebildete Fachpersonal in Sachsen-Anhalt bleibt.

Welches Arbeitsumfeld finden Sie hierzulande vor?

Kurze Wege und gute verkehrsinfrastrukturelle Anbindung, qualifiziertes Fachpersonal, bezahlbare Gewerberäume auch in Zentren der Städte sind nur einige Punkte. Im Projekt mit ,Inflotec‘ können wir glücklicherweise auf viele Zulieferer im nahen Umfeld zurückgreifen. Das spart Zeit, die wir dann für andere geschäftliche Angelegenheiten investieren können.

Wie könnte das Umfeld für Designer in Sachsen-Anhalt weiter optimiert werden?

Die Kreativwirtschaft ist kultureller Teil des Landes und wird nur aufrechterhalten, wenn man weiterhin Investitionen tätigt. Wir sind beispielsweise auch darauf angewiesen, schnelle und damit stabile Internetverbindungen für Videokonferenzen mit entfernten Kunden führen zu können. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur ist unter anderem ein wesentlicher Punkt. Außerdem sollte der Mehrwert, den ein Unternehmen hierzulande durch Design erzielen kann, mehr Aufmerksamkeit bekommen und das Bewusstsein auch bei kleineren Betrieben geschärft werden. Das gelingt zum Beispiel durch Wettbewerbe wie BESTFORM oder regelmäßig organisierte Wissenstransfers zwischen Spezialisten unterschiedlichster Bereiche.

Kann die Design-Arbeit über Erfolg und Misserfolg eines Produktes mitentscheiden?

Natürlich spielt Design neben vielen anderen wichtigen Dingen eine Rolle bei dem Erfolg eines Produktes, aber nicht mehr nur aus ästhetischer Sichtweise. Ein ,schönes Produkt‘ verteidigt heute nur noch Marktposition und Verkaufspreis. Design hat auf ganzen anderen Ebenen viel mehr Wert, die aber für jedes Unternehmen immer individuell recherchiert und dort die Hebel für den Erfolg gesetzt werden müssen. Im übertragenen Sinn sind Designer heute eine Art Unternehmensberater mit gewisser kreativer Zusatzqualifikation. 

Wie schätzen Sie die Zukunft für Designer ein? 

Designer werden immer gebraucht, aber so wie sich das Bild des Gestalters in den letzten Jahrzehnten geändert hat, wird es wohl auch in Zukunft Veränderungen unterliegen. Schon heute übernimmt der Produktdesigner auch Aufgaben des Konstrukteurs. Mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung im Zuge von Industrie 4.0 und Internet der Dinge wird ihm dann vermutlich viel mehr Know-How im IT-Sektor zugesprochen werden müssen.

Und wie Ihre eigene …?

Die eigene Zukunft zu beschreiben ist schwierig, schließlich durchkreuzen täglich die verschiedensten Umstände die eigenen Pläne. Mit genügend Selbstreflexion, Flexibilität und vor allem Mut sollte die eigene Entwicklung jedoch weiterhin Fahrt aufnehmen. Sobald ich mein Masterstudium abgeschlossen habe, wird es auch zur Erweiterung von ,MDID‘ kommen, darauf freue ich mich besonders.